• 31. Januar 2012
    Bericht zum Jahresende 2011

    Liebe Freunde,

    leicht fiel es mir diesmal nicht, diesen Bericht zu schreiben, denn wie
    die meisten von Ihnen bereits wissen, ist meine Mutter am 3. Dezember
    gestorben. Sie hat das hohe Alter von 89 Jahren erreicht, und es ist tröstlich
    für mich, dass sie nach Wochen schwerer Krankheit ohne Qualen und
    Schmerzen sterben konnte. Ich durfte viel Anteilnahme von den Mitarbeitern
    und Freunden des Verlags erfahren. Meine Gefühlslage hat der Agent
    Peter Fritz mit dem Satz »Man wird in jedem Alter zum Waisenkind« auf
    den Punkt gebracht.

    Meine Mutter hat maßgeblich zur Gründung des Verlags im Jahr 1975
    beigetragen und sich sehr für ihn und seine Autoren eingesetzt. Wie Renate
    Heuer vom Archiv Bibliographia Judaica treffend formulierte, wäre die
    weiterhin erfolgreiche Arbeit des Verlags gewiss der schönste Dank, mit
    dem wir die Erinnerung an Elisabeth und Frank Schwoerer lebendig halten
    können.

    In diesem Sinne haben wir uns von 2011 an eine neue Strategie gegeben.
    Zu diesem Zweck haben wir uns in den beiden Vorjahren intensiv mit Fragen
    wie »Welche Menschen interessieren sich für die Bücher des Verlags?«,
    »Wie leben diese Menschen?« und »Wie werden diese von Anbietern anderer
    Produkte und Dienstleistungen angesprochen, was kann Campus davon
    lernen?« auseinandergesetzt.

    Mithilfe der neuesten Beschreibungen der Sinus Milieus von Sinus Sociovision
    und anderen Studien über das Kaufverhalten, etwa der Limbic-
    Map (ein Instrument, das aus Erkenntnissen der Hirnforschung und der
    Psychologie entstanden ist), haben wir Kernzielgruppen definiert und
    Musterkäufer entwickelt, aus deren Sicht wir auf Buchprojekte, Titel- und
    Umschlagsvorschläge blicken und an deren Wünschen und Erwartungen
    sich nun alle Prozesse im Verlag ausrichten. Da unsere Kernzielgruppen
    Wert legen auf Originalität, Inspiration, Überraschungen und Weitblick
    und gerne Verantwortung übernehmen, müssen unsere Bücher diesen
    Maßstäben gerecht werden.

    Erste Ergebnisse sind in unserer Frühjahrsvorschau zu besichtigen: Das
    Marketing ist konsequent auf unsere Zielgruppe ausgerichtet. Diese
    sprechen wir intelligent durch Fragen an, die zu den Buchinhalten hin-
    führen, und mit grafisch und emotional ansprechenden Bildern, die einem
    Reportagestil ähneln. Das Verlagslogo haben wir moderat überarbeitet,
    es kann nun flexibler in der Umschlaggestaltung eingesetzt werden.

    In 2011 konnten wir unseren Umsatz leicht gegenüber dem Vorjahr erhöhen,
    auch dank unserem besten Umsatz im Monat Dezember seit 2004.

    Das Wissenschaftssegment profitierte von der starken Backlist im Bereich
    Soziologie (allem voran das »Lehrbuch für Soziologie«, hg. von Hans Joas,
    neben den »Sternstunden der Soziologie«, hg. von Sighard Neckel, Ana
    Mijic, Christian von Scheve und Monica Titton, die 2010 den René-König-
    Lehrbuchpreis der Deutschen Gesellschaft für Soziologie gewannen), und
    Titeln wie Volkmar Siguschs »Auf der Suche nach der sexuellen Freiheit«,
    Christoph Butterwegges »Armut in einem reichen Land« und der Geschichte
    und Bestandsaufnahme der deutschen Umweltbewegung »Am Ende der
    Gewissheiten« von Frank Uekötter.

    Unsere Umsatz-Renner des Jahres 2011 sind: Morris »Wer regiert die
    Welt?«, Scherer »Glückskinder«, Malik »Strategie«, Malik »Führen Leisten
    Leben«, Osterwalder »Business Model Generation«, Lewis »Boomerang«,
    Kitz/Tusch »Ich will so werden, wie ich bin«, Rifkin »Die dritte industrielle
    Revolution«, Küstenmacher »Simplify your day 2012«, Fisher/Ury »Das
    Harvard-Konzept«, Förster/Kreuz »Nur Tote bleiben liegen«, Küstenmacher
    »Best of Simplify«, Buckingham »Entdecken Sie Ihre Stärken jetzt!«,
    Doppler/Lauterburg, »Change Management«, Püttjer/Schnierda »Das große
    Bewerbungshandbuch«, Hölting »WISO: Immobilienfinanzierung«, Goldratt
    »Das Ziel«, Diesbrock »Ihr Pferd ist tot? Steigen Sie ab!«, Sprenger »Die
    Entscheidung liegt bei dir!«, Simon »Die Wirtschaftstrends der Zukunft«.

    Die Besten nach Absatzzahlen: Scherer »Glückskinder«, Morris »Wer regiert
    die Welt?«, Küstenmacher »Simplify your day 2012«, Küstenmacher »Best of
    Simplify,« Malik »Führen Leisten Leben«, Kitz/Tusch »Ich will so werden,
    wie ich bin«, Malik »Strategie«, Lewis »Boomerang«, Rifkin »Die dritte
    industrielle Revolution«, Püttjer/Schnierda »Das große Bewerbungshandbuch
    «, Förster/Kreuz »Nur Tote bleiben liegen«, Fisher/Ury »Das Harvard-
    Konzept,« Osterwalder »Business Model Generation«, Diesbrock »Ihr Pferd
    ist tot? Steigen Sie ab!«, Seiwert »Wenn du es eilig hast, gehe langsam«
    (Hörbuch).

    Wichtig dafür war wieder das schöne Medienecho: Claudius Seidl hat in der
    FAS Michael Lewis’ »Boomerang« gelobt mit den Worten »Es ist nicht nur so,
    dass man nach dieser Lektüre die Krise besser versteht. Man versteht auch,
    warum man so vieles daran nicht versteht. Das ganze Finanzsystem lebt
    davon, dass Leute einander Dinge verkaufen..., die sie nicht verstehen.« Über
    Lewis sind lange Portraits und Interviews in Spiegel, Zeit und FAS erschienen.

    »Der Angriff« von Ulrich Schäfer war mit einem zweiseitigen Essay im
    Spiegel und im ZDF-Morgenmagazin vertreten, außerdem in SZ, Zeit, Tagesspiegel,
    taz, Handelsblatt und Wirtschaftswoche. »Wer regiert die Welt?«
    von Ian Morris wurde in Aspekte, NZZ, einer ganzseitigen Rezension von
    Jürgen Osterhammel in der SZ und einem vierseitigen Interview im Spiegel
    besprochen.

    »Die Wirtschaftstrends der Zukunft« von Hermann Simon wurde in FAZ, SZ
    und Absatzwirtschaft besprochen, der Autor führte Interviews in Manager
    Magazin und Bild. Weitere Wirtschaftsbücher, die herausragende Rezensionen
    bzw. Interviews bekamen, waren »Strategie« von Fredmund Malik,
    »Business Model Generation« von Alexander Osterwalder, »Der Change
    Manager« von Klaus Doppler und »Unternehmen Idee« von Raimund
    Schmolze.

    »Digital ist besser« von Kai-Hinrich und Tim Renner wurde rezensiert in SZ,
    FR und Manager Magazin, mit Vorabdrucken in Welt am Sonntag und Berliner
    Morgenpost. »Ich will so werden, wie ich bin« von Volker Kitz und Manuel
    Tusch wurde in Freundin und Bild besprochen. Weitere herausragende Veröffentlichungen
    gab es für »Aufgewacht!« von Angelika Gulder, »Glückskinder
    « von Hermann Scherer und »Leadership 2.0« von Maren Lehky.

    In unserem Wissenschaftssegment stand Alexander Zinns »Das Glück kam
    immer zu mir« im Mittelpunkt eines dreiseitigen Spiegel-Artikels. Jutta
    Allmendinger führte ein Interview in Cosmopolitan für »Verschenkte Potentiale«.
    »Auf der Suche nach der sexuellen Freiheit« von Volkmar Sigusch
    wurde u.a. in FAZ (drei Seiten, von Petra Gehring), NZZ, taz und SZ rezensiert.

    Die FAZ besprach u.a. Volker Caspari/Bertram Schefold (Hg.) »Wohin
    steuert die ökonomische Wissenschaft?«, Ute Frevert u.a. »Gefühlswissen«,
    Michael Kempe »Fluch der Weltmeere«, Alexander Kraus/Birte Kohtz (Hg.)
    »Geschichte als Passion «und Dorothea Weltecke »Der Narr spricht«.

    Die SZ rezensierte ebenfalls »Der Narr spricht«, außerdem Jan-Otmar Hesse
    »Wirtschaft als Wissenschaft« und Jutta Bakonyi »Land ohne Staat«.

    Dies war außerdem das neunte Jahr, in dem es Preise und Ehrungen bei
    Campus gab. »Der Angriff« von Ulrich Schäfer stand auf der Shortlist des
    Deutschen Wirtschaftsbuchpreises. »Business Model Generation« von
    Alexander Osterwalder wurde zum Managementbuch des Jahres gekürt,
    »Unternehmensorganisationen der Zukunft« von Daniel Pinnow wurde
    Personalbuch des Jahres, und »Führungsstark im Wandel« von Alexander
    Groth war einer der Finalisten bei der Wahl zum Trainerbuch des Jahres.

    »Wer regiert die Welt?« von Ian Morris stand auf Platz 8 der Sachbuch-
    Bestenliste der SZ und erhielt den getAbstract International Book Award.

    »Toyota Kata« von Mike Rother bekam den Shingo Prize. Christoph Kalter
    »Die Erfindung der Dritten Welt« wurde mit dem Walter-Markov-Preis für
    Geschichtswissenschaften ausgezeichnet. Und Nina Elsemann bekam den
    Ernst-Reuter-Preis der FU Berlin für »Umkämpfte Erinnerungen«.

    Fürs Frühjahr 2012 freuen wir uns auf unseren Spitzentitel »Ausgegeizt!«
    von Uli Burchardt und neue Werke der bekannten Autoren David Eagleman,
    Eva Wlodarek, Roy Baumeister, Martin Lindstrom, Jim Collins, Klaus Doppler,
    Andreas Drosdek, Sally Helgesen, Dorothea Assig, Anne Jacoby, Florian
    Vollmers, Svenja Hofert, Christian Püttjer, Uwe Schnierda, Martin Wehrle,
    Reinhard Sprenger, Tim von Arnim, Kaspar Maase, Renate Mayntz, Klaus
    Dörre, Peter Waldmann, Andreas Fischer-Lescano und Dieter Haller und
    vielen anderen mehr.

    A propos Frühjahrsprogramm: Die Lektüre von Jim Collins’ »Oben bleiben.
    Immer.« hat mich deutlich gelassener darüber nachdenken lassen, wie wir
    trotz der kommenden unsicheren Jahre oben bleiben können. Denn es
    kommt immer noch mehr auf unsere Handlungen an, als auf das, was die
    Welt mit uns macht.

    Entsprechend werde ich in diesem Jahr mit dem einen oder der anderen
    Abgeordneten das Gespräch zum Thema Urheberrecht vertiefen. Mehrere
    Parteien verkaufen das Urheberrecht unter Wert, zugunsten kostenloser
    Zugänge für Nutzer zu Informationen. Mir hat noch niemand darlegen
    können, was dagegen spricht, dass Nutzer Warnhinweise von Providern
    erhalten, wenn sie sich Raubkopien herunterladen, oder wie eine Kulturflatrate
    so funktionieren könnte, dass AutorInnen weiterhin kreativ arbeiten
    können. Kreativität lohnt sich nicht mehr, wenn Werke im Netz freigegeben
    werden – entsprechend hat kürzlich eine spanische Autorin angekündigt,
    das Schreiben aufzugeben, weil zu viele Raubkopien ihrer Bücher heruntergeladen
    werden, an denen sie nichts verdient. Von dieser Freigabe
    profitieren primär große Wirtschaftskonglomerate und Raubkopierer wie
    Rapidshare.

    Ich danke den MitarbeiterInnen für ihr großes Engagement und Ihnen für
    Ihre beständige Mit- und Zusammenarbeit, wünsche uns selbige auch für
    die Zukunft und Ihnen, Ihren und unseren MitarbeiterInnen ein glückliches
    und erfolgreiches neues Jahr.

    Ihr Thomas Carl Schwoerer

    Thomas Carl Schwoerer