Der Sturz des Römischen Adlers

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Dirk Husemann

Der Sturz des Römischen Adlers

2000 Jahre Varusschlacht

Zum heroischen Freiheitskampf der Germanen stilisiert und im Laufe der Geschichte von unterschiedlichster Seite instrumentalisiert, ranken sich noch nach 2000 Jahren zahlreiche Mythen, Rätsel und Spekulationen um die »Schlacht im Teutoburger Wald«.

Dirk Husemann hebt den Blick über das bloße Schlachtengeschehen hinaus. Er beleuchtet die beiden Protagonisten Varus und Arminius und zeigt zugleich, wie eng die römische und germanische Kultur miteinander verwoben waren. Er geht Mythen und Spekulationen nach und räumt auf mit falschen Vorstellungen, die sich bis heute halten. Spannend und anschaulich erzählt er auf der Basis des aktuellsten Forschungsstands von den Ereignissen, die zu der Schlacht führten, und davon, wie sich der Ausgang auf die römische und deutsche Geschichte auswirkte.

Dirk Husemann
Dirk Husemann, geboren 1965, studierte Vorund Frühgeschichte, Archäologie und Ethnologie und ist seit über 20 Jahren als freier Autor und Journalist tätig. Er schreibt regelmäßig Reportagen unter anderem für Spektrum der Wissenschaft, GEO und Spiegel Online. Bei Campus erschien von ihm 2005 »Die Neandertaler. Genies der Eiszeit«.
mehr zum Autor (www.campus.de)

15.11.2008, Süddeutsche Zeitung
Los von Rom
"Sehr flott geschrieben."

24.12.2008, Neue Zürcher Zeitung
Aufstand germanischer Hilfstruppen
"Husemann schreibt flott, scheut keine Stilblüte und verzichtet auf jede Fussnote."

31.12.2008, Die Zeit
Die Erfindung der Deutschen
"Husemann verzichtet auf jeden gelehrten Ballast; keine Fußnote erschwert die Lektüre ... Langweile kommt nicht auf."

22.03.2009, Welt Online
Neue Bücher zur Varusschlacht
"Räumt mit Klischees auf."

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Vorhut

"Varus! Varus! Gib mir meine Legionen wieder!" Der römische Kaiser Augustus soll wenig Verständnis für die Niederlage seiner Truppen in Germanien gehabt haben. Immerhin starben 20?000 Legionäre in einem Hinterhalt irgendwo im wilden Norden. Der Verlust an Mensch und Material war schmerzhaft - tragischer aber war, dass die Schlacht die Römer in die Schranken wies. Nie wieder sollten sich Truppen aus Italien weiter vorwagen als bis zum Rhein. Germanien war frei.
Obwohl das Ereignis die Geschichte Europas prägte, ist bis heute unbekannt, wo die Varusschlacht geschlagen wurde. Lange galt der Teutoburger Wald als sicherer Kandidat, ein entsprechendes Denkmal wurde im 19. Jahrhundert auf germanischem Nationalpathos errichtet. Doch seit acht Jahren beansprucht das Osnabrücker Land die Varusschlacht für sich. Über dem kleinen Ort Kalkriese ragt bereits ein millionenschweres Museum in den Himmel. Doch einer der wenigen handfesten Hinweise auf das Gemetzel ist eine Erbse, die in der Nähe gefunden wurde und nachweislich aus dem antiken Italien stammt. Dem Museum auf der Erbse halten Hobbyforscher alternative Orte in der Region entgegen. Schatzsucher aus Amerika, Großbritannien und Japan reisen an und machen das Osnabrücker Land mit Metallsuchgeräten unsicher. Rund 700-mal meldeten Hoffnungsfrohe bereits die Entdeckung des angeblichen Schlachtortes, zankten Wissenschaftler und Amateure um wenige Unzen Metallschrott - die Überreste der 20?000 Legionäre aber bleiben nach wie vor vom Erdboden verschluckt.
Die Varusschlacht zählt noch immer zu den großen Mythen der Deutschen. Der bärbeißige Haufen, der sich vom imperialistischen Rom nicht unterdrücken lassen wollte, passte den Feinden Napoleons ebenso in die Ideologie wie später Nationalsozialisten und Kommunisten. Aus der Feder Heinrich von Kleists floss Die Hermannsschlacht als Parabel auf die herbeigesehnte Befreiung vom Besatzer Frankreich. Aus der Propagandamaschine der Nazis donnerte Heilsgeschrei im Namen des Cheruskers. Noch die DDR hätschelte Arminius als Vorzeigekämpfer gegen eine imperialistische Weltmacht - Rom war Amerika.
Wer war Varus, wer sein Widersacher Arminius, dem 50 Opern auf den Leib komponiert wurden, über den noch heute Romane geschrieben werden und der als Heldenmotiv auf US-amerikanischen Bierdosen herhalten muss? Für den römischen Historiker Tacitus war er ein Volksheld der Germanen: "Er war unstreitig der Befreier Germaniens, der das römische Volk nicht in den ersten Anfängen der Macht, wie andere Könige und Heerführer, sondern in der höchsten Blüte des Reiches herausgefordert hat, in den Schlachten von wechselndem Erfolg begleitet, im Krieg unbesiegt." Das Heldensiegel blieb an Arminius haften. Immer, wenn die Deutschen einen Heroen brauchten, zogen sie Arminius aus der Schublade. Stets passend gekleidet, mal mit Bärenfell als grober Schlächter, mal in Gewand mit elegantem Schnitt und Flügelhelm als Figur aus einer Wagner-Fantasie. Sogar das Nibelungenlied soll auf Arminius zurückgehen, der laut antiken Quellen tatsächlich noch zu Lebzeiten im Liedgut seiner Stammesbrüder die Hauptrolle spielte. Arminius war der Superstar des Germanentums.
Der Ruf nach Heldenblut fürs Vaterland ist verhallt. Heute wirft die Varusschlacht historische Fragen auf, etwa die, wie die Geschichte Europas verlaufen wäre, wenn der Husarenstreich nicht gelungen wäre und die Römer weiter nach Norden hätten vordringen können. Stoppte die Horde im Bärenfell die Römer im Kettenpanzer so nachhaltig, dass der Kaiser danach alle Eroberungspläne in den Tiber warf? Konnte sich erst durch den Befreiungsschlag ein einheitliches Germanentum konsolidieren? War die Varusschlacht tatsächlich der "Urknall der deutschen Geschichte", wie ihn das Deutsche Historische Museum in Berlin heraufbeschwört? Oder war alles ganz anders?
Die Varusschlacht und das Ende des römischen Vormarsches jähren sich 2009 zum zweitausendsten Mal. Im Museumsmarketing herrscht Feststimmung, drei Sammlungen lassen die musealen Muskeln spielen. Hinter den Kulissen aber tobt der Streit um Geld und Wahrheit. Historiker von eigenen Gnaden finden die Varusschlacht mitunter in Süddeutschland, die Datierung römischer Münzen gerät zur Eulenspiegelei und die Vergabe der Gelder zur Posse im Plenarsaal. Der Kampf tobt auch nach 2?000 Jahren, Varus und Arminius steigen noch einmal in den Ring.
Der Hermannsmythos bleibt ein Dauerbrenner. Auch wenn der deutschnationale Lack längst abgeblättert ist, auch wenn Archäologie und Geschichtsforschung das Image des sympathischen Rebellen Arminius längst demontiert haben, die Schlacht und ihre Protagonisten sind noch immer legendär. Der französische Philosoph und Mythenforscher Roland Barthes fand im 20. Jahrhundert heraus: "Auch die Rezeption des Mythos und die Arbeit am Mythos ist das Wirken des Mythos." Gemäß dieser Erkenntnis wird auch ein Buch wie das vorliegende, das sich bemüht, den Nebel um die Varusschlacht zu lichten, vom Mythos diktiert.

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Erscheinungstermin:
11.08.2008

Hardcover gebunden

223 Seiten, 16-seitiger farbiger Bildteil

EAN 9783593382593

€ 24,90

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